Die Touristen (Touris) sind im Anmarsch auf dem Wochenmarkt des Erfurter Domplatzes. Gequält schauen Ch. und M. auf die Leute, die sich vor dem Stand mit den kleinen Helfern im Haushalt versammeln. Tag für Tag kommt zu 100 % mindestens 20ig Mal die Frage: Was ist das? Gemeint ist ein kleiner Beutel aus wasserdurchlässigen Stoff, der die Touris zum Grübeln bringt.
Das Kließ-Sack`l bringt die Touris auf die merkwürdigsten Gedanken. Um die Leutchen auf die richtige Spur zu bringen, schreibt Ch. ein kleines Schild -> Kloss-Sack 2,50 €. Das ist zwar gut gemeint, aber da viele Touris ein oder zwei Gläschen intus haben, die für eine lockere Stimmung sorgen, wird das 3-fache s häufig überlesen. Autsch!!! Die Kommentare malt man sich nicht mal in seinen kühnsten Träumen aus.
Angefangen von ungläubigem Schulterzucken über vehaltenes Kichern bis zu nicht stubenreinen Bemerkungen ist alles drin. Dann wird das geheimnisvolle Teil in die Hand genommen, befühlt, gegen das Licht gehalten (wozu eigentlich?).
Natürlich weiß jeder Thüringer, der noch in der DDR gelebt hat, schon lange, um was es sich hier handelt. Die älteren Bürger Thüringens können sich garantiert noch an die Arbeit erinnern, die mit diesem Säckchen verbunden ist. Und es ist eine Arbeit, die sich auszahlt! In unserer Zeit der Kochshows hätte das Säckchen eigentlich einen Ehrenplatz verdient. Es ist das Kloßsäckchen, das für viele ein Buch mit sieben Siegeln ist.
Rezepte für echte "Thüringer Klöße" gibt jetzt je nach Region verschiedene. Aber für alle wird das Kloßsäckchen gebraucht. Zu DDR Zeiten haben wir die Säckchen oft selber genäht, heute nimmt an den vogtländischen Kließsack, um die Kloßmasse herzustellen.
Ich kann mich noch daran erinnern, daß die rohen Kartoffeln mit der Hand gerieben wurden. Die Masse wird in das Säckchen gefüllt. Nun kommt es darauf an, so viel Flüssigkeit als möglich aus dem Sack zu pressen.
Wir hatten früher dafür eine extra Kloßpresse. Das Säckchen mit der Kartoffelmasse wurde in einen Behälter gegeben und dann zwischen zwei Scheiben ausgepreßt. Später nahmen wir dafür die Trockenschleuder.
Insgesamt brauchte es schon einige Zeit, um die Klöße herzustellen. In unserer Gegend mußten sie "kindkopfgroß" sein.
Das Rezept der der vogtländischen Kließ ist auf der Verpackung des Kloßsäckchens beschrieben.
Wie schon erwähnt, es gibt viele verschiedene Rezepte, in manchen Orten hatte jede Familie ihr persönliches Geheimrezept.
Und wenn ich mir das vogtländische Rezept so ansehe, ähnelt es doch dem Basisrezept für thüringer Klöße. Es ist auf alle Fälle einen Versuch wert.





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