Es gab zu DDR Zeiten ein Sprichwort:
Eine Schneeflocke quer auf den Schienen bringt die Reichsbahn zum Stillstand.
Und so war es auch. Mit schöner Regelmäßigkeit erwiesen sich die Massnahmepläne der Kreis- und Bezirksverwaltungen als geduldiges Papier.
Trotzdem sind wir irgendwie über die Runden gekommen,- auch ohne die jetzt so beliebten „Unwetterwarnungen“. Ich werde das Gefühl nicht los, das man eben schnell mal eine Unwetterwarnung herausgibt,- schaden kann ´s ja nichts. Vielleicht sollte man
die 365 Tage Unwetterwarnung
erfinden, dann hat sich, wer auch immer, eben abgesichert.
Wenn ich mit dem Trabi zur Arbeit fahren musste, hatten wir im Winter schon Probleme. Wir fuhren über eine Landstraße mit ziemlichen Anstieg und natürlich dem darauf folgenden Gefälle mit einigen haarigen Kurven. Frühs, gegen 6.00 Uhr war häufig nicht gestreut. Wie die meisten DDR Bürger fuhren wir die typischen „Allwetterreifen“ (also im Sommer und im Winter die gleichen). Ob es nun spiegelglatt war oder geschneit hatte, dank des Vorderradantriebes sind wir immer durchgekommen. (Manchmal hat wohl auch ein Schutzengel frierend mit drin gesessen!).
In dem großen Betrieb, in dem ich damals arbeitete wurden dann die Wintersparmaßnahmen ergriffen. Manchmal durften wir von 7.00 – 8.00 Uhr keine elektrischen Geräte anstellen,- was idiotisch war, in einem Betrieb der Radios, PCs, Druckerzubehör usw. herstellte.
Die Energieversorgung der Betriebe und der Bevölkerung war im Winter schon eine harte Belastungsprobe für die DDR Wirtschaft. Mit 8 Pfennig /KWh war der Strom für die Bevölkerung billig genug, um Winter alles was nur Wärme erzeugen konnte, anzuwerfen. (Wenn jemand die Stromrechnung nicht bezahlte, passierte auch nicht viel, ich kann mich nicht an abgestellte Stromleitungen erinnern. Für Familien mit Kindern wäre das sowieso undenkbar gewesen). Natürlich wurde bei diesen Preisen Energie auch vergeudet. Damals haben wir uns immer ein bisschen über die „geizigen“ Wessis lustig gemacht, die in Decken in der Wohnstube gesessen haben, um Heizkosten zu sparen. Heute sind wir in dieser Beziehung mindestens genauso gut.
Jedenfalls war auch zu DDR Zeiten der Winterdienst straff unterwegs. Und es wurden nicht nur bestimmte Strecken gestreut. Auch in den kleineren Gemeinden gab es kein Schild mit der Aufschrift: Eingeschränkter Winterdienst. Der Winterdienst kam, manchmal zwar spät, aber er kam. Nur gut, dass die DDR Verantwortlichen nicht auf die Idee mit dem eingeschränkten Winterdienst gekommen sind. J
Für den geübten DDR Bürger war es wichtig, sich schon im Hochsommer auf die kalte Jahreszeit einzurichten. Geheizt wurde zumeist mit Braunkohlenbriketts. Manchmal hatte man schon im Herbst Schwierigkeiten, vernünftige Kohlen zu bekommen. Im Winter war es dann schon schwierig. Meist gab es dann nur noch rationierte Mengen. Kohlen waren auch für DDR Verhältnisse auch nicht billig. Leider musste man nehmen, was da vor der Tür abgekippt wurde. Bei uns war die sogenannte tschechische Kohle nicht sonderlich beliebt. Sie wollte nicht richtig brennen. Als ich mich deshalb beim Heizstoffhandel beschwerte, kam wirklich und wahrhaftig jemand vorbei, um mir zu lernen, wie ich einen Ofen anwerfen hätte. Da war ich denn doch etwas mehr als sauer.
Natürlich hatte auch für uns der Winter seine schönen Zeiten. Als Kinder sind wir zum Schlittenfahren gezogen. Jede noch so kleine Gemeinde hat wohl einen kleinen Hügel, der dazu taugt. Auch meine Kinder waren bei Schnee täglich unterwegs. Wir hatten damals noch einen großen Hund, einen Kuvacs. Unsere Bel hat die Kinder unverdrossen mit dem Schlitten gezogen.
Heute sieht man auf den kleinen Hügeln in unserer Stadt nur noch selten viele Kinder beim Schlittenfahren. Na ja vielleicht sind die Hügel ja nicht TÜV geprüft J.
Und nur mal zur Information an alle, die sich über den Schnee und die Kälte wundern:
Wir haben Winter und da sollte dies irgendwie normal sein sein.
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